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Die Fortbildung «Uveitis – interdisziplinäre Ansätze bei immunologischen Therapien» der Augenklinik Kantonsspital Winterthur, gehalten von Dr. med. Jeanne Gunzinger, beleuchtet die systemische Abklärung und das Management entzündlicher Augenerkrankungen im interdisziplinären Setting. Anhand eines 50‑jährigen Patienten mit beidseitiger Uveitis intermedia, assoziierter Vaskulitis, Papillitis und zystoidem Makulaödem werden die Befunde in OCT und Fluoreszenzangiografie (Hot disc, petaloides Leckagemuster, segmentale venöse Wandhyperfluoreszenzen) sowie der Stellenwert von Basislabor, Blutdruckmessung und gezielter Thoraxbildgebung dargestellt. Die weiterführende Diagnostik mit CT-Thorax und EBUS-gestützter Lymphknotenbiopsie weist nicht-nekrotisierende Granulome nach und stützt die Diagnose einer pulmonalen und okulären Sarkoidose mit wahrscheinlicher mikroskopischer Nephropathie; kardiale Sarkoidose zeigt sich im Cardio-MRT nicht. Therapeutisch spricht der Patient initial auf systemische Steroide an, benötigt wegen Rezidiven unter Tapering jedoch eine steroidsparende Immunsuppression; nach Impfstatus-Check und Impfberatung erfolgen TNF‑α‑Inhibitoren (zunächst Adalimumab, später Wechsel auf Infliximab). Ein zweites Fallbeispiel eines sechsjährigen Knaben mit Verdacht auf JIA-assoziierte Uveitis zeigt eine schwere anteriore Entzündungsaktivität mit Bandkeratopathie, posterioren Synechien, Papillenödem, zystoidem Makulaödem und subretinaler Flüssigkeit. Durch eng abgestimmte Zusammenarbeit mit der Kinderrheumatologie erfolgt eine rasche Eskalation mit hochdosierten i.v.-Steroiden, gefolgt von Infliximab plus Methotrexat, was innerhalb eines Monats zu deutlicher Visusverbesserung führt. Diskutiert werden Impfstrategien vor und unter Immunsuppression gemäss Schweizer Impfplan und SGR-Empfehlungen (Kontraindikationen für Lebendimpfstoffe, zeitliche Planung, Kostengutsprache) sowie der Umgang mit Impfskepsis; die Fortbildung unterstreicht die Notwendigkeit klarer Kommunikations- und Prozesswege zwischen Ophthalmologie, Innerer Medizin, Pneumologie, Radiologie, Pathologie, Kardiologie und (Kinder-)Rheumatologie.
Interdisziplinäre Abklärung bei Uveitis
Uveitis erfordert systemische Evaluation und enge Koordination: Vitalparameter, breites Labor (u. a. ANA, QuantiFERON, ACE), gezielte Bildgebung (Thorax-CT bei Sarkoidoseverdacht), bronchoskopische, ultraschallgestützte Lymphknotenbiopsie, kardiologische und nephrologische Abklärung. Dringlichkeit richtet sich nach visusbedrohenden Befunden wie zystoiden Makulaödemen.
Bildgebung und Befundmuster
Vitritis wird primär über die Fundussicht beurteilt. OCT zeigt zystoides Makulaödem und subretinale Flüssigkeit; FA eine Hot‑Disk, perimakuläre Leckage und venöse Wandhyperfluoreszenzen; ICG ist bei okulärer Sarkoidose unauffällig. Keine Zeichen einer okklusiven Vaskulitis in den Fallbeispielen.
Immuntherapie und Impfmanagement
Bei Visusbedrohung erfolgt rasch eine Steroidtherapie, Nebenwirkungen werden monitoriert (DEXA, Glukose), danach steroidsparend Anti‑TNF (Adalimumab→Infliximab; bei JIA mit Methotrexat). Impfungen erfolgen vor Start gemäss Schweizer Impfplan/SGR; Lebendimpfstoffe unter Immunsuppression vermeiden; Steroide <20 mg und Wartezeiten beachten; Umfeldimpfungen erwägen.
Datum
Freitag, 5. Dezember 2025
Uhrzeit
07:45 – 08:30 Uhr
Dauer
45 Min.
Credits
1 CME-Punkt
Anbieter
Augenklinik Kantonsspital Winterthur
Vor Ort
Online
Als Webinar auf augen-update.ch. Den Zugangslink erhalten Sie vorab per E-Mail oder direkt hier auf dieser Seite.
Dr. med. Jeanne Gunzinger,
Oberärztin, Fachverantwortung Uveitis und Medical Retina, Augenklinik Kantonsspital Winterthur
Seit 2024 am Kantonsspital Winterthur als Oberärztin tätig und betreut die Spezialgebiete Uveitis und Medical Retina. Nach der Weiterbildung zur Fachärztin am Universitätsspital Zürich, Luzerner Kantonsspital und Hopital Ophtalmique Jules-Gonin erfolgten Fellowships in England und Australien, wie auch eine Tätigkeit als Oberärztin am USZ. Neben der klinischen Tätigkeit Vertiefen des technologischen Wissens mittels Certificates of Advanced Studies (CAS) in Applied Information Technology und Artificial Intelligence and Software Development an der ETH Zürich.