Augen
Update
Vor Ort
Online

Datum
Freitag, 12. Juni 2026
Uhrzeit
07:45 – 08:30 Uhr
Dauer
45 Min.
Credits
1 CME-Punkt
Lernziele
1.Die Teilnehmenden kennen die Indikationen zur operativen Versorgung periorbitaler Frakturen und können diese im interdisziplinären Kontext sicher beurteilen.2. Sie erhalten einen Überblick über die heutigen technischen Möglichkeiten in der Versorgung periorbitaler Frakturen,
Anbieter
Augenklinik Kantonsspital Winterthur
Vor Ort
Online
Als Webinar auf augen-update.ch. Den Zugangslink erhalten Sie vorab per E-Mail oder direkt hier auf dieser Seite.
Dr. med. Abdul R. Jandali,
Chefarzt und Klinikleiter, Klinik für Hand- und Plastische Chirurgie, Kantonsspital Winterthur
Dr. med. Abdul Rahman Jandali ist Chefarzt und Klinikleiter der Klinik für Plastische, Rekonstruktive und Handchirurgie am Kantonsspital Winterthur. Als Facharzt für Plastische Chirurgie und Handchirurgie verfügt er über langjährige Erfahrung in der interdisziplinären Versorgung komplexer Gesichts- und periorbitaler Verletzungen. Ein besonderer Fokus liegt auf der funktionellen und ästhetischen Rekonstruktion sowie der Zusammenarbeit mit der Augen- und MKG-Chirurgie.
CT steuert die Primärabklärung
Bei Verdacht auf periorbitale Fraktur bildet das CT die Entscheidungsgrundlage; konventionelle Röntgenbilder spielen keine Rolle mehr. Ergänzend erfolgen Visuskontrolle, Prüfung von Diplopie und Augenmotilität, Palpation des Orbitarandes sowie ophthalmologische und orthoptische Beurteilung bei bestätigter Fraktur.
Indikation wird symptomorientierter gestellt
Die operative Indikation bei Orbitalbodenfrakturen wird zunehmend konservativer und stärker symptomorientiert gestellt. Grosse Defekte, persistierende symptomatische Diplopie nach Abschwellen sowie kindliche Verletzungen bleiben relevante Kriterien; mit zunehmendem Alter wird zurückhaltender entschieden.
Technik verbessert komplexe Rekonstruktionen
Bei komplexen Frakturen verbessern Navigation, intraoperative Bildgebung, 3D-Druck und patientenspezifische Implantate die Planung und Kontrolle der Rekonstruktion. Diese Verfahren unterstützen insbesondere schwierige Revisions- oder Mehrfragmentverletzungen, während einfache Frakturen weiterhin konventionell versorgt werden können.
In der von der Augenklinik Kantonsspital Winterthur organisierten Fortbildung «Versorgung periorbitaler Frakturen: Indikation und technische Möglichkeiten» stellt Dr. med. Abdul R. Jandali die aktuelle Versorgung periorbitaler Frakturen mit Schwerpunkt auf Orbitalbodenfrakturen dar. Er erläutert, dass diese Verletzungen interdisziplinär durch verschiedene Fachgebiete behandelt werden und beschreibt für das KSW die langjährige Zusammenarbeit zwischen plastischer Chirurgie, MKG, Ophthalmologie und Neurochirurgie. Für die Diagnostik betont er die klinische Beurteilung mit Prüfung von Visus, Diplopie, Augenmotilität, Orbitakontur, Biss und Sensibilität des N. infraorbitalis sowie die zentrale Bedeutung der CT-Bildgebung, während konventionelle Röntgenaufnahmen keine Rolle mehr spielen. Hinsichtlich der Operationsindikation zeigt Dr. med. Abdul R. Jandali auf, dass die Datenlage begrenzt ist, Notfallindikationen wie okulokardialer Reflex, «white-eyed blowout fracture» und früher Enophthalmus jedoch anerkannt sind, während bei vielen Orbitalbodenfrakturen zunehmend zurückhaltend und symptomorientiert entschieden wird. Er verweist auf neuere prospektive Daten, wonach ein grosser Teil der Patientinnen und Patienten mit initialer Diplopie unter konservativem Vorgehen gute funktionelle Resultate erreicht und die Operationsrate deutlich gesenkt werden kann. Anhand mehrerer Fallbeispiele demonstriert er die operative Technik über infrazyliäre oder transkonjunktivale Zugänge sowie den Einsatz von Titanimplantaten, postoperativer CT-Kontrolle, virtueller Planung, Navigation, 3D-Druck und patientenspezifischen Implantaten bei komplexen Rekonstruktionen. Zusammenfassend hält Dr. med. Abdul R. Jandali fest, dass heute eine individuellere und tendenziell konservativere Indikationsstellung erfolgt, während die technischen Möglichkeiten für komplexe Frakturen deutlich erweitert sind.