Augen
Update
Vor Ort
Online

Datum
Freitag, 14. August 2026
Uhrzeit
07:45 – 08:30 Uhr
Dauer
45 Min.
Credits
1 CME-Punkt
Lernziele
Die Teilnehmenden können Indikationen, operative Strategien und potenzielle Komplikationen der Vitrektomie bei intraokularen Entzündungen beschreiben und diese evidenzbasiert in das Management von Uveitispatientinnen und -patienten integrieren.
Anbieter
Augenklinik Kantonsspital Winterthur
Vor Ort
Online
Als Webinar auf augen-update.ch. Den Zugangslink erhalten Sie vorab per E-Mail oder direkt hier auf dieser Seite.
Prof. Dr. med. Matthias Becker,
Chefarzt Augenklinik, Stadtspital Triemli
Prof. Dr. med. Matthias Becker ist Direktor der Augenklinik am Stadtspital Zürich und Professor der Universität Heidelberg. Als Präsident der Werner H. Spross-Stiftung sowie Mitgründer der Ophthorobotics AG verbindet er klinische Führung mit wissenschaftlicher Arbeit, Lehrtätigkeit und einer breiten, international rezipierten Publikationstätigkeit in der Ophthalmologie.
Vitrektomie gezielt indizieren
Die Indikationsstellung erfolgt zielorientiert anhand klinischer Muster wie Beginn, Lateralisierung, Morphologie und Systemsymptomen. Eine diagnostische Vitrektomie dient nicht dem ungezielten «Schrotschuss». Präoperative Abstimmung mit Mikrobiologie und Pathologie sowie vorbereitete Probenlogistik sind für die Aussagekraft entscheidend.
Diagnostik erfordert rasche, strukturierte Probenverarbeitung
Bei diagnostischer Vitrektomie werden etwa 2 ml unverdünnter Glaskörper und ergänzend Kammerwasser gewonnen. Das Material wird verdachtsgeleitet aufgeteilt, da nicht alle Testpanels möglich sind. Zeitkritische Verarbeitung ist essenziell, besonders bei Lymphomverdacht; PCR ergänzt die konventionelle Mikrobiologie.
Endophthalmitis verlangt sofortiges Handeln
Bei Endophthalmitis zählen Stunden; Patientinnen und Patienten werden ohne Verzögerung behandelt. Eine frühe Vitrektomie ist bei deutlichem Glaskörperhaze, fehlendem Funduseinblick, pathologischem Ultraschall, rascher Progredienz oder fehlender Besserung nach 24 Stunden indiziert. Prophylaxe erfolgt primär durch Antisepsis und intrakamerale Antibiotikagabe nach Kataraktoperation.
In der von der Augenklinik Kantonsspital Winterthur organisierten Fortbildung «Vitrektomie bei intraokularen Entzündungen» erläutert Prof. Dr. med. Matthias Becker die diagnostische, therapeutische und prophylaktische Rolle der Vitrektomie bei entzündeten Augen. Er betont zunächst die differenzialdiagnostische Einordnung von Glaskörpertrübungen und grenzt degenerative, ablagerungsbedingte, entzündliche und neoplastische Ursachen voneinander ab, wobei insbesondere das vitreoretinale Lymphom und die Glaskörperamyloidose hervorgehoben werden. Für die Indikationsstellung zur diagnostischen Vitrektomie fordert er einen zielgerichteten präoperativen Algorithmus mit klinischer Mustererkennung, sorgfältiger Verdachtsdiagnose sowie enger Abstimmung mit Mikrobiologie und Pathologie, da Probengewinnung, Transport und Testpriorisierung zeitkritisch sind. Die diagnostische Vitrektomie dient dem Erregernachweis, der Zytologie und dem Ausschluss von Maskeradesyndromen, während die therapeutische Vitrektomie unter anderem der Entfernung entzündlicher Mediatoren, von Trübungen, Traktionen und epiretinalen Membranen sowie der Behandlung von Makulaödem und Komplikationen dient. Bei akuter retinaler Nekrose empfiehlt Prof. Dr. med. Matthias Becker bei neu auftretender hinterer Glaskörperabhebung eine prophylaktische Vitrektomie mit Endolaser und häufig Silikonöltamponade, um eine amotioverursachende Netzhautschwächung zu verhindern. Einen besonderen Schwerpunkt legt er auf das Notfallmanagement der Endophthalmitis, bei der frühe chirurgische Intervention, intravitreale Antibiotikatherapie und konsequente Priorisierung ohne Verzögerung entscheidend für das funktionelle Ergebnis sind. Abschließend unterstreicht er die Bedeutung standardisierter Abläufe, regionaler Resistenzkenntnis, perioperativer Antisepsis mit Povidon-Iod und einer frühzeitigen Zuweisung an spezialisierte Zentren, um Fehldiagnosen, Therapieverschleppung und irreversible Sehverschlechterung zu vermeiden.