Augen
Update
Vor Ort
Online

Datum
Freitag, 16. Oktober 2026
Uhrzeit
07:45 – 08:30 Uhr
Dauer
45 Min.
Credits
1 CME-Punkt
Lernziele
1. Nachsorge-Checkpoints bei Speziallinsen strukturieren und Red Flags erkennen.
2. Torische IOL: nach 1–2 Wochen Restrefraktion beurteilen.
3. EDOF/Multifokal: Autoref kritisch einordnen.
Anbieter
Augenklinik Kantonsspital Winterthur
Vor Ort
Online
Als Webinar auf augen-update.ch. Den Zugangslink erhalten Sie vorab per E-Mail oder direkt hier auf dieser Seite.
PD Dr. med. Philipp Bänninger,
Chefarzt / Klinikleiter, Augenklinik, Kantonsspital Winterthur
PD Dr. med. Philipp B. Bänninger ist Direktor und Chefarzt der Augenklinik am Kantonsspital Winterthur. Er verfügt über langjährige Erfahrung in der Hornhaut-, Katarakt- und refraktiven Chirurgie mit Schwerpunkten in der Keratokonus-Behandlung und Hornhauttransplantation. Als Privatdozent an der Universität Zürich engagiert er sich in Forschung und Lehre zur Verbesserung von Diagnostik und Therapie in der Ophthalmologie. Zuvor war er Leitender Arzt und Leiter der Refraktiven Chirurgie am Luzerner Kantonsspital. Ergänzend verfügt er über einen Executive MBA der Universität St. Gallen.
Schichtanalyse lenkt die Differenzialdiagnose
Bei cornealen Dystrophien erleichtert eine strukturierte Spaltlampenanalyse die Diagnostik: Lokalisation nach Hornhautschicht, Beschreibung der Trübungsform, Verteilung sowie zeitlicher Verlauf. Dieses Schema grenzt die Differenzialdiagnose deutlich ein und ermöglicht eine phänotypbasierte diagnostische Hypothese.
Phänotyp und Gen korrelieren nicht immer
Ein klinisch typischer Phänotyp beweist keine genetische Ursache. Die Epithelial Basement Membrane Dystrophy ist klinisch charakteristisch, genetisch aber unsicher verankert und als C3 klassifiziert. Umgekehrt zeigen TGFBI-assoziierte stromale Dystrophien unterschiedliche Phänotypen trotz gleicher molekulargenetischer Familie.
Genetische Testung bleibt die Ausnahme
Bei Hornhautdystrophien steht die klinische Mustererkennung im Vordergrund; genetische Testung ist nicht die Regel. Sie kommt vor allem bei unklarem Phänotyp, jüngeren Fuchs-Patienten oder bei Bedarf nach genetischer Beratung in Betracht und erfordert in der Regel eine Kostengutsprache.
In der von der Augenklinik Kantonsspital Winterthur organisierten Fortbildung «Welche Hornhaut-Trübung zeigt dir das Gen?» erläutert PD Dr. med. Philipp Bänninger, dass sich korneale Dystrophien primär über eine strukturierte Spaltlampenanalyse und erst sekundär über die Genetik einordnen lassen. Er betont die IC3D-Klassifikation, welche klinisches Erscheinungsbild, Histopathologie und genetische Zuordnung sowie deren Evidenzgrad verbindet, und hebt hervor, dass nicht jedes charakteristische klinische Muster eindeutig genetisch verankert ist. Als praktisches Schema empfiehlt er die Beurteilung nach betroffener Hornhautschicht, Morphologie der Trübung, Verteilung und zeitlichem Verlauf, um die Differenzialdiagnose gezielt einzugrenzen. Anhand der epithelialen Basement-Membrane-Dystrophie zeigt er, dass ein typischer Phänotyp trotz guter klinischer Erkennbarkeit genetisch nur unzureichend zugeordnet ist und daher eher als diagnostische als als molekulargenetische Entität verstanden werden muss. Bei stromalen Dystrophien beschreibt er, dass granuläre Dystrophie Typ 1, Lattice-Dystrophie und Avellino-Dystrophie unterschiedliche Phänotypen derselben molekulargenetischen Familie darstellen, während die makuläre Hornhautdystrophie als autosomal-rezessive Erkrankung mit CHST6-Assoziation ein abweichendes Vererbungsmuster zeigt. Für endotheliale Dystrophien bespricht er insbesondere die Fuchs-Endotheldystrophie mit relevanter klinischer Bedeutung vor Kataraktchirurgie sowie die posteriore polymorphe Hornhautdystrophie, die morphologisch charakteristische vesikuläre beziehungsweise «Railway-Track»-Veränderungen aufweist. Insgesamt kommt PD Dr. med. Philipp Bänninger zum Schluss, dass genetische Testungen bei Hornhautdystrophien derzeit die Ausnahme bleiben, vor allem bei unklarem Phänotyp oder Beratungsbedarf sinnvoll sind und therapeutisch meist hinter der klinischen Mustererkennung und den vorhandenen chirurgischen Optionen zurückstehen.